»Soziokultur als Prinzip setzt sich durch«
Als vor fünf Jahren die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle und der Tanzpädagoge Royston Maldoom mit 250 Berliner Kindern und Jugendlichen aus 25 Nationen Igor Stravinskys Ballett „Le sacre du printemps“ auf die Bühne brachten, ging ein Aufschrei durch die Feuilletons und das Publikum: „Was für ein Erfolg, mit Kindern aus Problemschulen so ein Projekt auf die Beine zu stellen.“ „Welch gesellschaftlicher Wert“. „Was für ein kultureller Gewinn“.
Tatsächlich war diese Arbeit ein Gewinn für alle Beteiligten. Nur nicht ohne Vorläufer und wohl auch nicht denkbar ohne die Soziokultur. Ohne all die kleinen Bühnen in den umfunktionierten Fabriken, Zechen oder Bahnhöfen, in denen schon seit vielen Jahren Kunst zum Mit- oder Selbermachen – eben Soziokultur – praktiziert wurde.
Soziokultur hat sich in den letzten drei Jahrzehnten etablieren können, ihre Kunst- und Organisationsformen sind in den Mainstream des Kulturgeschehens eingeflossen und zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Und das ist auch gut so. Haarsträubend und paradox allerdings, dass ausgerechnet ihre Institutionen, die Soziokulturellen Zentren, zunehmend unter Existenzdruck geraten und manche Politiker anscheinend die Ansicht vertreten, dass die Einrichtungen der Soziokultur überflüssig geworden seien. Warum dem nicht so ist und welche speziellen Aufgaben die Soziokultur – gerade im Zeichen des Mainstreams – noch immer erfüllt, erläutern die AutorInnen im gerade erschienenen „Informationsdienst Soziokultur“.
Dr. Eva-Maria Stange (SPD), Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kultur, hebt im Interview den nachhaltigen Auftrag der Soziokultur „Kultur für alle – Kultur von allen“ hervor und betont die Wichtigkeit von nachvollziehbaren Qualitätskriterien für soziokulturelle Arbeit. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth geht sogar noch weiter und fordert die Soziokultur auf, am Aufbau einer globalen Wissensgesellschaft mitzuwirken.
Außerdem u.a. Beiträge aus den Bundesländern: In Rheinlandpfalz entsteht eine landesweite Jugendkunstschule, in Brandenburg herrscht eine extreme Berg- und Talfahrt hinsichtlich der Soziokultur-Förderung.
Dies und mehr im aktuellen „Informationsdienst Soziokultur“ Nr. 4/2008. Bestellung unter bundesvereinigung@soziokultur.de oder Tel. 030 – 397 44 59 0.