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2010 – Werkstatt-Tagung »Zukunft Soziokultur!?«

Soziokultur oder nicht Soziokultur – das ist hier die Frage

Ein Nachbericht über die Werkstatttagung »Zukunft: Soziokultur!?« der LAG Soziokultur & Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz am 31.5./ 1.6.2010 in Neuwied-Engers

16 Menschen versammelten sich Ende Mai, um die spannende Frage der »Zukunft: Soziokultur!?« zu diskutieren. Die Mischung – ganz klassisch: aus Zentren von 1 bis 60 Hauptamtlichen mit 0 bis 180 Ehrenamtlichen, in Städten zwischen 6.000 und 1,6 Millionen Einwohnern, kommunal bezuschusst zwischen 400 und 500.000 €, eine daraus resultierende Finanzierung durch Eintritte und Spenden zwischen 20% und 95%, genutzt von 10.000 bis 160.000 Menschen im Jahr.
Nur eines war anders: die Teilnehmer der Tagung waren zwischen 20 und 32 Jahren alt.

Per Zufall oder freiwillig in das relativ diffuse Arbeitsfeld der Soziokultur gekommen, finden sie es sehr gut, einen abwechslungsreichen Job zu haben, der Sinn macht und Raum zur Entwicklung und Mitbestimmung bietet. Doch im Gegensatz zur ersten Generation ist ihnen hier ein gewisses Maß an Sicherheit durchaus wichtig und darf es auch sein. Allerdings wird auch die Arbeit auf selbstständiger Basis als Sicherheit angesehen.

Zwei Tage gab es Inputs: Bernd Hesse, LAKS Hessen »Beruf oder Berufung? – Arbeitplatz Soziokultur«; Andrea Geade, LAG Soziokultur Sachsen »Der Kriterienkatalog Soziokultur«; Gerd Dallmann, LAG Soziokultur Niedersachsen »Geschichte der Soziokultur«; Ingo Leven, TNS Infratest »Die Shell Jugend Studie«. Wobei die Themen gerne links überholt wurden. Gab es doch interessantere Fragen zu klären wie: Wie funktioniert ein Laden noch in kompletter Selbstverwaltung wie das Café Trauma in Marburg? Wie sollen sich die Zentren aufstellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein? Wie den Spagat zwischen einer höheren Professionalisierung (gerne mit BWL-Kenntnissen), einem selbst auferlegten Bildungsziel und der vorherrschenden (gefragten) Bespaßung des Publikums schaffen?
Klar war: wir wollen sie erhalten, die »alte Dame« Soziokultur. Für uns ist sie – wie es die Enquetekommission des Deutschen Bundestages ausdrückte – »die (4.) Säule der Kultur in Deutschland« und damit nicht weg zu denken. Sie soll Raum bieten, um Potenziale zu entdecken, andere Themen aufzugreifen, aus Träumen Projekte zu entwickeln, und noch immer soll sie einen Raum zur Gegenkultur bieten. Doch werden wir hierfür einiges in Bewegung setzen müssen. Auch hier fehlt der Nachwuchs, beim Publikum werden nicht alle Bevölkerungsschichten und Gruppierungen erreicht. Dafür müsste auch in den Zentren und Initiativen mehr und anderes getan werden, um hier noch mehr zu erreichen.
Ein großer Punkt der Diskussion war dabei der Generationenwechsel innerhalb der Zentren, der ein immer dringenderes Thema wird. Neue Köpfe bringen neue Ideen. Diese können auch schon mal auf alten Wegen wieder an die Menschen gebracht werden. So zum Beispiel der Gedanke, wieder mehr raus aus den Zentren zu den Menschen zu gehen, in ihren Lebensraum vor Ort. Wieder mehr Begegnung und (Zeit-)Räume schaffen, um Dinge entstehen zu lassen. Dies aber, ohne dabei die Tragfähigkeit eines Zentrums zu vernachlässigen. Die Stadtteilkultur sowie die Kinder- und Jugendarbeit wieder mehr in den Fokus zu rücken, scheint genauso notwendig wie das unaufhörliche Zugehen auf die Menschen.
Ebenso gewünscht ist ein Streben nach echter Heterogenität, das geflügelte Wort »Kultur von allen für alle« wahr zu machen. Auch um sich abzugrenzen von der kommerziellen Konkurrenz, die Konzepte und Ideen übernimmt, um deren (wirtschaftlichen) Wert auszuschöpfen.

Bei den zukünftigen Inhalten und Arbeitsformen der Soziokultur einen gemeinsamen Nenner zu finden, war vergleichsweise leicht. Schwieriger gestaltete es sich, den Begriff Soziokultur als solchen zu fassen, welcher weiterhin ein wenig sperrig ist. Dennoch hängen wir an ihm wie an Urgroßmutters Dielenschrank aus massiver Eiche, er ist uns doch zu nahe gekommen, um ihn einfach zu entsorgen. Man war sich einig, dass wir seinen Hintergrund und seine Inhalte transparenter gestalten müssen, damit die breite Bevölkerung über den Begriff und die Inhalte besser informiert werden kann. Dies in einer Art und Weise, die für jeden verständlich ist und Anreiz gibt, soziokulturelle Zentren zu nutzen. Ziele, Visionen und Missionen der Zentren sollten  direkter nach außen kommuniziert werden, damit die Menschen begreifen, was alles möglich ist in der Soziokultur, und damit ihr eine höhere Aufmerksamkeit und auch Anerkennung zukommt. Unabdingbar ist aber: um den Begriff der Soziokultur besser in der Gesellschaft zu verankern, müssen wir ihn gemeinsam wieder verstärkt nutzen und somit begreifbar machen.
Aus diesem Grund arbeiten die Teilnehmer von  »Zukunft: Soziokultur!?« daran eine solche Tagung regelmäßig stattfinden zu lassen.

Interessierte Menschen (~U30) können sich gerne melden bei Rebecca Staal unter: mail@klartext-booking.de

Rechts können Sie sich die Dokumentation als PDF herunter laden.

Rebecca Staal für die LAG Soziokultur & Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz e.V.