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Soziokultur in Zahlen: mit weniger Zuschüsse und weniger Personal mehr los

Vielgelobt und in ihrer Leistung und Bedeutung parteiübergreifend hervorgehoben, ihre Formate und Ansätze – auch in öffentlichen Kultureinrichtungen – vielfach genutzt und nachgemacht, stößt die Arbeit der Akteure in den soziokulturellen Zentren jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Dies belegen zwei statistische Erhebungen der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren sowie der LAG Soziokultur und Kulturpädagogik Rheinland-Pfalz.

Sowohl auf Bundesebene wie in Rheinland-Pfalz sinkt die eh bescheidene öffentliche Förderung für die Zentren von 2009 auf 2011 um insgesamt 5%. Der Rückgang in Rheinland-Pfalz ist vor allem bei den Kommunen feststellbar um fast 25% (siehe auch Artikel zum Kulturfinanzbericht). Dies ist entgegen dem Trend im Vergleich der Bundesländer, wo die Kürzungen in der Regel eher bei den Landesmitteln festzustellen sind.

Da die engagierten Akteure vor Ort (noch) nicht an das Selbstverständnis ihrer inhaltlichen Arbeit herangehen wollen und z.B. nicht das Programm kürzen, wird das Minus der öffentlichen Mittel durch erhöhte Eigenwirtschaftlichkeit ausgeglichen, nämlich von 55,6% (2009) auf über 60% (2011). Man darf sich im Vergleich dazu mal vergegenwärtigen, dass die Eigenwirtschaftlichkeit der Theater und öffentlichen Kultureinrichtungen bei unter 20% liegt.

Eine weitere, fatale Auswirkung kann man in der Beschäftigungsstruktur der Einrichtungen beobachten: die eh schon geringe Zahl der Vollzeitbeschäftigten sinkt noch weiter  – dies nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch als Bundestrend –, dafür wird die Teilzeitarbeit stärker. Letztendlich bedeutet das die Kürzung der bezahlten Arbeit mit der Folge von in der Regel mehr unbezahlten Überstunden. Die kurzfristigen Honorarbeschäftigungen und in noch drastischerem Maße die Mitarbeit durch Ehrenamtliche haben im Zeitraum von 2009 bis 2011 hingegen zugenommen. Und besonders negativ: der Anteil der beschäftigten jungen Menschen in einem FSJ, BFD, Praktikum oder in Ausbildung ist im Zeitraum von 2009 bis 2011 deutlich gesunken, in Rheinland-Pfalz um 35%. Hintergrund ist sicher – neben den Finanzen –, dass man zur Begleitung und zum Anlernen eines jungen Menschen verlässlich Zeit und Manpower braucht, die gerade aber deutlich abnimmt.

Eine weitere Auswirkung, die  nicht in vorliegenden Zahlen, wohl aber in Aussagen erfasst ist: es werden die Bedingungen für die Auftritte der Künstler verändert. Weniger feste Gagen, das Risiko liegt somit auch bei den Künstlern, was vor allem bei Newcomern und noch unbekannten Künstlern fatal ist. Das Drehen an der Schraube geht im Einzelfall sogar so weit, dass Künstler aufgefordert werden, die Räume anzumieten, d.h. nicht nur auf Eintritt zu spielen, sondern auch noch einen Obulus für die Infrastruktur zu zahlen. Da wird es dann endgültig schräg, und es geht an der eigentlichen Grundlage der Soziokultur, „Raum, Infrastruktur und Know-How zur Verfügung zu stellen“, vorbei.

Dennoch sind die Einrichtungen weiter aktiv. Die Zahl der Veranstaltungen und vor allem Kurse bzw. Workshops wurde im Zeitraum von 2009 bis 2011 erhöht. Dabei steht vor allem die Arbeit mit und für die jungen Menschen im Fokus. Anhand der Zahlen kann festgestellt werden, dass es trotz sinkender Förderung einen Zuwachs an Veranstaltungsangeboten gegeben hat, mit einem Plus von 10% für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche. 50% der Besucher und Teilnehmer sind mittlerweile Kinder und Jugendliche. Die Soziokulturellen Zentren und Jugendkunstschulen sind also auf dem richtigen Weg, das Publikum und die Akteure von Morgen anzusprechen und zu erreichen.

Aktualisiert am 21. Juni 2013